Kritiken zur CD [Echoes] from Austria

Eine glänzende Idee wird glänzend realisiert. Sentimentales und Ironisches, Witziges und Wehmütiges bunt gemischt, alles mit viel Verständnis gespielt.

„Echoes from Austria“ nennt der in Wien lebende Pianist Josef Mayr seine Zusammenstellung österreichischer Klaviermusik (bei Extrplatte). Eine glänzende Idee wird glänzend realisiert: 32 kurze Piecen, von 22 Komponisten geschrieben zwischen 1908 und 1990, spiegeln Tendenzen, Möglichkeiten, Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Sentimentales und Ironisches, Witziges und Wehmütiges bunt gemischt, alles mit viel Verständnis gespielt.
Entdeckungen sind zu machen: Alban Bergs Walzer, für den Unterricht bei Schönberg. Einems Jazz-Anfälle während der Nazi-Zeit. Kreneks Erinnerungen an Österreichische Folklore. Cerhas slowakische Lieder aus dem Notenheft der Tante. Alles mit klaren, informativen Texten belegt, in grafisch vorbildlicher Hülle. Wer Musik genießen will und dabei etwas lernen will, sollte auf diese Neuerscheinung nicht verzichten.
Karl Löbl - KURIER, 15.2.2000

Mayr spielt sowohl sehr genau als auch sinnlich und differenziert, womit er die CD zum Muss für jeden macht.

Noch einmal Klaviermusik aus Österreich: Pianist Josef Mayr hat unter dem Motto „Echoes from Austria“ eine Beispielsammlung dessen zusammengetragen, was im 20. Jahrhundert in Österreich an Klaviermusik geschrieben wurde. Stenografisch: Chopin-Nachklänge von Alban Berg, Schwelgerisches von Erich Wolfgang Korngold, Elegantes von Hans Gàl, Konstruktives von Ernst Krenek, Witziges von Friedrich Cerha; dazu kommen nachdrückliche Hinweise auf Komponisten, die dem schnelllebigen 20. Jahrhundert abhanden gekommen sind: Ernst Toch, Egon Kornauth, Armin Kaufmann, Rüdiger Seitz – um nur ein paar zu nennen. Fünf Minuten dauert das längste der insgesamt 32 Stücke. Mayr spielt sowohl sehr genau als auch sinnlich und differenziert, womit er die CD zum Muss für jeden macht, der sich für die zeitgenössische Musik Österreichs interessiert.
Edwin Baumgartner - WIENER ZEITUNG, 23.2.2001

Neben der Virtuosität ist es bei Mayr die Sinnlichkeit der Musik, die unmittelbar packt. Ein Muss!

Hörreise zu Takàcs / Ein Streifzug durch das aktuelle CD-Angebot

Josef Mayr hat in seinem faszinierenden Streifzug durch Österreichische Klaviermusik des 20. Jhdts. „(Echoes) from Austria“ auch zwei Stücke von Takács integriert, wobei der Kontrast der Raphsodie op. 43/1 von 1936 und des Valse-Impromptus op. 95/XV von 1973/74 nicht größer sein könnte. Neben der Virtuosität ist es bei Mayr die Sinnlichkeit der Musik, die unmittelbar packt. Nicht nur für Takács-Kenner ist diese CD ein Muss!
Christian Heindl - KLANG:PUNKTE, Herbst 2002

[…] eine CD, die allein als Fundgrube für Unterschiedlichstes besticht; zudem sind die Einspielungen Josef Mayrs ausgezeichnet.

Nach durchhören der CD (von Sigrid Trummer) frägt man sich nur, warum junge Komponisten Ende des 20. Jahrhunderts so viel Kalkül und so wenig „Bauch“ in ihr Werk legen. – Letzteren vernehmen wir dann in bestechender Form in vielen Werken der „Extrem-Anthologie“ „(Echoes) from Austria“ (Extraplatte), auf der Josef Mayr insgesamt 32 Klavier-Nummern von 22 Komponisten in historischer Ordnung (1908 – 1990) eingespielt hat und uns dabei auch sehr viele „Echoes als Reminiszenzen auf die verlorene Heimat vermittelt (z.B. von Gàl, Kornauth, Korngold, toch oder Wellesz). Namen wie Berg, Schulhoff, Takács, Kont, Armin Kaufmann, HK Gruber oder Cerha dokumentieren zusätzlich die große Spannweite der CD, die allein als Fundgrube für Unterschiedlichstes besticht; zudem sind die Einspielungen Josef Mayrs ausgezeichnet.
Hartmut Krones - ÖMZ (ÖSTERREICHISCHE MUSIKZEITSCHRIFT), 10.2000

vom Repertoirewert her konkurrenzlose Edition. […] eine Fundgrube.

Raritäten für Klavier

Mir war der aus Steyr gebürtige, in Linz und Wien ausgebildete Oberösterreicher Josef Mayr bislang noch nicht einmal dem Namen nach ein Begriff. Das hat sich mit dieser vom Repertoirewert her konkurrenzlosen Edition „Österreichische Klaviermusik des 20. Jahrhunderts“ schlagartig geändert!
[…] er stellt sich hier als ein souveräner, uneigennütziger Moderator von kleinen und kleinsten, von wertvollen und zumindest interessanten Klavierprojekten vor, die – in entstehungsgeschichtlicher Chronologie geordnet – ein neugieriger Hörer als eine Art Klang- und Verhaltensatlas der österreichischen Komponistenseele und ihrer auf dem Klavier durchwanderten Landschaften begrüßen wird.
Manches ist bekannt, vieles allenfalls aus Verlagslisten. Und jene Autoren, die man hin und wieder im Rundfunk oder in Spezialkonzerten berücksichtigt findet, erhalten in diesem Zusammenhang neues Gewicht und sympathisches Profil. Ernst Krenek ist der Motto-Stifter mit seinen schnurrigen „Echoes from Austria“, so wie überhaupt festzustellen ist, dass von Berg bis Takács und Cerha eine Menge tänzerische Musik in den Klavieradern vor- und innerälplerischer Naturen pulsiert. Eine Fundgrube also diese „Extraplatte“, die den Herausgeber und Mayr beflügeln sollte, eine zweite „Made in Austria“ zu produzieren. Und die Kollegen aus dem Ausland könnte sie dazu anregen, nun auch einmal in ihrer Heimat auf diese Weise gründlich herumzuhören.
Peter Cossé - NMZ (NEUE MUSIKZEITUNG), 3.2000

Man wünscht dieser instruktiven, erhellenden CD viele Hörer – und Eingang in alle Schuldiskotheken!

Ein Durchmarsch durchs Jahrhundert

Eine originelle Anthologie, zusammengestellt von dem Pianisten Josef Mayr: Österreichische Klaviermusik, chronologisch von 1908 bis 1990, in 32 kleinen „Happen“. Das längste Stück, eine Rhapsodie von Jenö Takács, dauert gerade einmal fünf Minuten. „Echoes from Austria“ (Extraplatte): Der Titel greift auf ein Werk von Krenek zurück, die Abfolge holt Vertriebene, Vergessene und unbehelligt „Daheimgebliebene“ hervor. Man hört Reflexe auf jeweilige musikalische Zeiterscheinungen und Ortsspezifika, mit einer Konstante: dem Walzer, als Gruß und (Alb-)Traum der Heimat. Und man wünscht dieser instruktiven, erhellenden CD viele Hörer – und Eingang in alle Schuldiskotheken!
hb - SALZBURGER NACHRICHTEN, 15.1.2000

stimmig programmiert […] gelingt es Mayr, die jüngere österreichische Musikgeschichte ganz anders als im Schulbuch zu erzählen

Für Rückblicke aufs vergangene Jahrhundert ist es noch nicht zu spät. Vor allem, wenn sie derart ungewöhnlich ausfallen wie der des Pianisten Josef Mayr. Seine „Echoes from Austria“ (benannt nach einem – auf dem Album in Auszügen eingespielten – Klavierzyklus von Ernst Krenek) sind eben kein Sampler mit den größten, besten und tollsten Klavier-Hits der letzten hundert Jahre, sondern eine stimmig programmierte Ansammlung von seltenen Miniaturen aus der Zeit von 1908 bis 1990. Anhand von 32 kleinen Stücken, keine länger als fünf Minuten, gelingt es Mayr, die jüngere österreichische Musikgeschichte ganz anders als im Schulbuch zu erzählen: historisch anders indem sich auf der CD Musik von durch Exil in Vergessenheit geratenen Komponisten wie Egon Wellesz, Ernst Toch oder Erwin Schulhoff findet, aber auch musikalisch anders, wenn Alban Berg ausnahmsweise einmal rein romantisch oder Gottfried von Einem jazzig klingt.
Carsten Fastner - FALTER, 8.2000

vorzüglich eingespielt […] mit Kuriosa und Raritäten […] eine solide Arbeit

Das kürzlich erschienene Album „Echoes from Austria“ gibt einen Überblick über die österreichische Klaviermusik des 20. Jahrhunderts und spannt einen Bogen von Korngold bis Cerha und Einem. Die in der Edition „Extraplatte“ erschienene und von Josef Mayr vorzüglich eingespielte CD wartet zudem mit Kuriosa und Raritäten auf, etwa zwei früheren Klavierstücken des späteren Zwölftonmusikers Alban Berg aus dem jahr 1908, die eher an Chopin denn an „Wozzeck“ denken lassen. Die CD ist auch eine Hommage an die von den Nazis vertriebenen Komponisten Erich Wolfgang Korngold, Ernst Toch, Hans Gál und Ernst Krenek. Eine solide Arbeit.
NEWS, 2.2000

a fascinating kaleidoscope […]. a good deal of sardonic wit […]. so overall an appealing disc

Almost all the pieces here are substantially under two minutes, and together they present a fascinating kaleidoscope of miniature fragments loosely bound together by their geographical origins, and covering most of the century (from two very early, very tonal and very untypical pieces by Alban Berg from 1908 to Friebergers “Vielleicht ein Traum” of 1990). There are a lot of different styles here, romantic tonality, “decadent” 1920s and 30s music, and a good deal of sardonic wit. Much of the music is resolutely tonal, and occupies the lighter end of the composer`s spectra, even in the case of composers principally known for using a less obviously accessible vocabulary (Cerha and von Einem, for example). So overall an appealing disc, quite light in tenor and not anywhere near as historically portentous as it might appear from a list of its contents.
RECORDS INTERNATIONAL, 12.2000

sehr anspruchsvoll und höchst kontrastreich […] exzellent […] pianistische Juwelen

PIANO NEWS, 2000

eine der raffiniertesten Zusammenstellungen auf dem Sektor zeitgenössischer Klaviermusik […] ungemein ansprechend

Zur Recital-CD des österreichischen Pianisten Josef Mayr / Ein Pianist auf steter Suche nach musikalischen Kostbarkeiten abseits ausgetretener Pfade

Als „eine der raffiniertesten Zusammenstellungen auf dem Sektor zeitgenössischer Klaviermusik“ haben wir in der CD-Rubrik der letzten klang:punkte das Recital „(Echoes) from Austria“ des österreichischen Pianisten Josef Mayr bezeichnet. Das außergewöhnlich große Medienecho auf dieses ungemein ansprechende Kaleidoskop österreichischer Klaviermusik des 20. Jahrhunderts kam sogar für den Interpreten und die Produktionsfirma überraschend. Im Gespräch erläutert Mayr Hintergrund und Entstehungsprozess der „(Echoes) from Austria“ ebenso wie künftige Pläne.

In chronologisch aufsteigender Reihenfolge zeichnet Josef Mayrs CD einen Bilderbogen, der bei spätromantischer Ästhetik ansetzt, bis in die Gegenwart reicht und insgesamt 32 kurze und kürzeste Klavierstücke enthält. Vermutlich jeder Hörer wird dabei so manches ihm bislang Unbekannte entdecken, vieles davon als kleine Kostbarkeit – sei es Egon Kornauths bezaubernder, ohrwurmhafter Walzer aus den „Fünf Klavierstücken“ op. 44, die virtuose, feurig-ungarische Rhapsodie op. 43/1 von Jenö Takács oder Paul Konts spritziger „Mozart Express, Terminal Vienna“ aus „Trip“, um nur einige wenige zu nennen.

Mayr zur Idee: „Eigentlich habe ich nicht gewusst, dass das noch niemand gemacht hat. Einerseits war der Grundimpuls Neugier, andererseits brauche ich als Pianist eine CD als Visitenkarte, und dazu habe ich etwas Neues gesucht. Das kommt auch daher, dass ich als Lehrer oft etwas für Wettbewerbe für meine Schüler brauche und dazu Stücke suche, die noch niemand kennt, die die Jury überraschen können und die für Schüler „dankbar“ sind.

Die entsprechende Klavierliteratur fand Mayr nicht zuletzt bei Durchsicht des Angebots von Sortiment und Antiquariat des Musikhauses Doblinger in der Wiener Dorotheergasse. U. A. stieß er dabei auch auf das für sein Projekt titelgebende Werk von Ernst Krenek, „Echoes from Austria“, sowie manche andere Rarität. – „Ich fand nicht alle Stücke gut, z. B. Bei zyklischen Werken fand ich oft eines interessant, den Rest nicht. Also habe ich die „persönlichen Highlights“ zum Prinzip erklärt. Entscheidend war, dass die Stücke bei mir etwas auslösen, ganz rasch, irgendeine Wirkung haben, das die Neugier wächst. Dann studiere ich sie eine Zeit lang, und es bleibt das übrig, was mir beim Üben Spaß macht.“

Es mag als Indiz für die Qualität gelten, dass die Vorbereitung der CD in einer Zeit zahlreicher Schnellschussprodukte auf dem Tonträgermarkt immerhin rund eineinhalb Jahre in Anspruch nahm. Auffällig am Ergebnis ist eine durchgehend auf der Tradition fußende Linie, während experimentelle Stücke ausgeklammert werden.
„Ursprünglich war das Programm viel progressiver und avantgardistischer. Ich habe dann die Reaktionen der Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung beobachtet, meist keine Musiker. Das war entscheiden dafür, dass die Endauswahl eher kulinarisch geworden ist. Ich hatte auch die Intention, nicht für den Schrank zu produzieren, sondern etwas zu machen, bei dem man öfters Lust hat, es herauszuholen und wieder aufzulegen. Entscheidend war aber auch die Lust am Pianistischen.“

Auch wenn die äußere Gestaltung bei einem Tonträger eher sekundär sein mag, gefällt an „(Echoes) from Austria“ die besonders attraktive Aufmachung. - „Das hängt damit zusammen, dass die Musik viel Verspieltes hat. Das sollte sich auch im Outfit zeigen. Die Idee ist vom Graphiker Georg Thanner. Üblicherweise wird die zeitgenössische Musik streng präsentiert, ich habe das aber ganz bewusst so gewollt – auch um die Hemmschwelle zu nehmen.“

Der Erfolg – das erstklassige Produkt, durchgehend hervorragende Rezensionen und entsprechende Verkaufszahlen – legt den Gedanken an eine Fortsetzung nahe. Bereits bei einem öffentlichen Konzert in Wien Anfang diesen Jahres brachte Mayr nur einige der CD-Stücke zu Gehör und kombinierte reizvoll mit auf der CD nicht enthaltenen Stücken von Josef Matthias Hauer, Helmut Eder und als (Uraufführung) Wolfram Wagner.
An Material scheint es also keineswegs zu mangeln. – „Die Reaktionen waren so positiv, dass ich es auf jeden Fall fortsetzen möchte, wobei ich mich auf den Begriff „Toccata“ konzentrieren werde. Ich habe in den letzten Wochen Kontakt mit vielen Komponisten aufgenommen. Auf jeden Fall kommt die „Toccata“ von Heiller, ein geniales Werk aus den Vierzigern, Froschauer, Takács und darauf aufbauend junge Komponisten.“
Christian Heindl - KLANG:PUNKTE, 10.2000

CD der Woche in der Radiosendung Klassiktreffpunkt

Ich möchte Ihnen diese Neuerscheinung, weil sie amüsant, weil sie lehrreich und informativ ist, ganz besonders ans Herz legen.
Karl Löbl - RADIO Ö1, 5.2.2000

CD der Woche im titel Magazin

Entdeckungen und Probleme

Sie kennen Wolfram Wagner nicht? Und nicht Sigrid Riegebauer? Sie haben noch nie etwas von Erich Eder de Lastra gehört und auch nicht von Helmuth Froschauer? Kein Grund zur Zerknirschung. Woher auch sollte man die Namen jüngerer und nicht mehr ganz so junger Komponisten kennen, wenn ihre Werke kaum aufgeführt werden. Musik ist, anders als Literatur, noch nicht vorhanden, wenn sie gedruckt wird. Sie bedarf der akustischen Umsetzung, der Interpretation. Und so gebührt einem Pianisten wie Josef Mayr Dank und Anerkennung. Statt die immer gleichen Werke der „Klassiker“ ein weiteres Mal auf CDs zu pressen, übernimmt er Verantwortung gegenüber der Kunst zeitgenössischer Komponisten. Er legt eine CD mit Werken wenig bekannter und bekannterer österreichischer Komponisten – darunter auch Ernst Krenek, Hanns Jelinek und Josef Matthias Hauer – vor. 17 der 21 zwischen 1915 und 2002 entstandenen Titel wurden hier erstmals eingespielt! Es sind kleine, manchmal nur rund eine Minute dauernde Stücke, von denen mehrere die Gattungsbezeichnung „Toccata“ tragen. Das italienische Wort „toccare“ bedeutet „berühren“, und dieses Wort, zusammen mit dem Wort „schlagen“, setzt Mayr auch auf die Vorderseite seiner CD. Streng genommen ist das Hammerklavier ja ein Schlaginstrument, und seine Saiten werden einerseits von den Hämmern berührt, während andererseits die Zuhörer im metaphorischen Sinne berührt werden von den Klängen, die diese angeschlagenen Saiten hervorbringen.

Produzierende Künstler beklagen sich gelegentlich darüber, dass sie weniger gefördert werden als reproduzierende Künstler. Diese Klage hat Gründe, die sich nachvollziehen lassen. Aber vielleicht sollte man auch bei den reproduzierenden Künstlern differenzieren und jene bevorzugen, die unbeschrittene Wege gehen und den produzierenden Künstlern – siehe oben – überhaupt erst zur öffentlichen Wahrnehmung verhelfen. Vielleicht sollte man… Die Wirklichkeit sieht bekanntlich anders aus. Josef Mayr wird noch lange Klavier spielen müssen, ehe er die Gage einer Operndiva erhält, die einmal mehr die Koloraturen der Königin der Nacht jodelt.

Toccata vorausgegangen ist die CD [Echoes] from Austria. Neben Klavierstücken von Komponisten, die – wie Ernst Krenek, Egon Wellesz, Ernst Toch, Erich Wolfgang Korngold oder Hans Gál – ins Exil gejagt wurden oder – wie Erwin Schulhoff – im KZ umkamen, begegnet man hier solchen von Nutznießern des Nationalsozialismus – wie Cesar Bresgen, Egon Kornauth, Ernst Ludwig Uray oder Gottfried von Einem, der 1937 ohne Not nach Deutschland ging, um, gefördert vom Parteimitglied Herbert von Karajan, im Dritten Reich Karriere zu machen, während seine jüdischen Kollegen vertrieben und ermordet wurden. Dass nach 1945 die Bresgen, Uray, Einem und – von diesem nun seinerseits dankbar protegiert – Karajan das österreichische Musikleben nachhaltig bestimmten und nicht die Krenek, Korngold, Wellesz, Toch oder Gál, muss um der historischen Wahrheit willen festgehalten werden. In der Musik wie in der Literatur und in den Wissenschaften hat es in Österreich nach dem Ende des Nationalsozialismus weitaus mehr Kontinuität gegeben als Neuanfang oder gar Genugtuung für die Verfolgten und Verjagten, und bis heute wird das allenfalls in Festreden, die von keinen Taten begleitet werden, bedauert. So betrachtet ist Mayrs erste CD mit österreichischer Klaviermusik nicht unproblematisch: Im Zeichen der Musik, einer scheinbar unpolitischen Kunst, werden die Unterschiede zwischen Kollaborateuren und Opfern eingeebnet. Aber auch das ist bekanntlich keine singuläre Erfahrung.
Thomas Rothschild - TITEL MAGAZIN, Stuttgart, 07.10.2004

Josef Mayr: [Echoes] from Austria. Extraplatte EX 388-2
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